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  Ökumenischer Kirchentag  
Berlin 2003    
Vier Tage lang waren sie in Berlin nicht zu übersehen, die orangefarbenen Schals der rund 200.000 Kirchentagsbesucher.

Am Sonntag morgen schließlich wogten sie wie ein Meer vor dem Reichstag. Denn hier feierten 110.000 Katholiken und Protestanten bei strahlendem Sonnenschein den Abschlussgottesdienst des ersten Ökumenischen Kirchentags.

Unter dem Motto:


"Ihr sollt ein Segen sein"

war es die erste gemeinsame Veranstaltung der beiden großen Kirchen in Deutschland seit ihrer Spaltung vor mehr als 450 Jahren.


 



Die auf den Fotos abgebildetenPersonen in folgendem Artikel sind nicht unbedingt bisexuelle Menschen!

Bisexualität hat viele Gesichter
  Was hat eine bisexuelle Gruppe auf einem Kirchentag zu suchen?
von Fabian Doles Vorstand Uferlos e.V. Köln

Das haben bestimmt viele Menschen gedacht, als sie uns zum ersten Mal bei unserem ersten Ev. Kirchentag in Frankfurt gesehen haben. Wir haben sie aber durch den enormen Besucheransturm wirklich überzeugen können.

Wir Bi's sind genau so weit verbreitet in der Kirche wie Homosexuelle, wir fallen nur nicht so sehr auf. Wir leben oft in nicht gleichgeschlechtlichen (Ehe-) Partnerschaften, einige von uns haben sogar Kinder (für Nachwuchs muss auch gesorgt werden).

 
Alle Altersgruppen haben unseren Stand begutachtet
 
Da gab es viel zu lesen und zu sehen

In der Kirche tut sich was, zwar langsam aber immerhin. Dieses Jahr (2003) waren wir auf der so genannten "Meile der Möglichkeiten" mit vielen anderen "Randgruppen" wie z.B. der Lesbischen Katholikengruppe, katholischen Priestern und ihren Frauen und der HuK (Homosexuelle und Kirche).

 
Manche haben sich wirklich viel Zeit genommen, um die Lebensläufe von Bisexuellen zu lesen.
 
Ob Paar oder Single - fast alle haben sich umgeschaut.

Fünf Mitglieder unserer Kölner Bi-Gruppe Uferlos sind nach Berlin gefahren und haben einen Infostand zusammen mit dem Bisexuellen Netzwerk (BiNe e.V.) betreut. Wir führten viele vertrauliche Gespräche. Unsere frisch gedruckten BiNe-Broschüren ging weg, wie warme Semmeln.

 
Die Tafel mit den Biographien
Bisexueller ist sehr gut angekommen
 
Da gab es viele Gesichter zu sehen
und Geschichten zum lesen

Ich war erstaunt über die große Resonanz. Da gab es weniger seltsame Blicke als bei den Lesben & Schwulen beim CSD in Köln (die uns oft anschauten, als ob wir vom anderen Stern kämen).

Besucher, egal ob jung oder alt, hatten viele Fragen und zeigten großes Interesse. Sie nahmen Infomaterial nicht nur für sich mit, sondern auch für Freunde (oder war das nur Vorwand?).

 
Obwohl es beim Kirchentag viel zu sehen gab, wurden wir nicht übersehen
 
Naturlich standen wir auch gerne zum Gespräch bereit, die so manches auch un Anspruch genommen haben

Diese positive Erfahrung hatten wir auch bei den letzten Evangelischen Kirchentagen. In Frankfurt gab es aber einen Zwischenfall mit einem spuckenden "Lama". Ein aufgeregter Besucher spuckte uns an. Wir haben es nicht persönlich genommen, da er alle anderen Queer-Gruppen gleichermaßen angespuckt hat. Es gibt immer ein paar unverbesserliche Idioten auf dieser Welt.

Da ich ein Namenschild mit "I SPEAK ENGLISH" trug, bin ich von vielen Ausländern direkt englisch angesprochen worden. Ein Besucher aus Korea wollte unbedingt ein Foto mit mir machen (ich vermute, sonst hätte ihm keiner zu Hause geglaubt, dass es sowas auf dem Kirchentag gab).

Ein Libanese war auch froh uns zu sehen und schilderte mir, wie unmöglich solch ein Infostand in seiner Heimat wäre.
 

Bi-Geschichten zum anfassen
Der neue bunte BiNe-Flyer war der Renner
Selbst Geistliche waren neugierig auf unseren Stand

Meine eigene Heimat Amerika (ich komme aus der sogenannten religiösen "Bible Belt") wird oft als das "Land der unbegrenzten Freiheit" benannt. Die Realität sieht besonders auf dem Lande anders aus (und in Amerika gibt es viel Fläche).

In den Südstaaten herrschen Gruppen wie die "Moral Majority", "Ku-Klux-Klan" und andere ultrakonservative Kirchengruppen, die unsere Arbeit als "Teufelswerk" ansehen würden und mit aller Gewalt bekämpfen.

Daher lebe ich lieber in Europa, weil hier die Akzeptanz für andere Lebensformen eher gewährleistet ist. Ich bin froh hier in Europa zu leben und fand es toll, beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin mitgemacht zu haben.
 

 
Unser Stand vorher
 
Unser Stand nachher

Fabian war Katholik, während der Grundschulzeit war er in einem katholischen Internat. Er hat sogar ein "High School" Priester Seminar besucht. An der Universität hat er mit vielen anderen christlichen Konfessionen zu tun gehabt, hauptsächlich Baptisten und Methodisten, bei Bible Study, Lunch & Bible-Vorlesungen sowie der Ministry Chor Gruppe "Circuit Riders". Heute ist er Deist. Deisten übten rationalistische Kritik an der Kirche und an Fanatismus und Intoleranz. Bezeichnet werden die Deisten auch noch als Freidenker (weil sie gegen die Autorität der Kirche wagen frei zu denken).

Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben!
Hier auch ein paar Fotos von dem Kirchentag-Team.


 
  Am ersten Abend haben wir Brot mit einander geteilt bei "Voltaire". Das Essen hat uns allen gut getan nach dem langen anstrengenden Tag am Stand.