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Wir wollen Bisexualität ein Gesicht geben und
engagieren uns deshalb bei Uferlos. Oft werden wir gefragt, wie
wir leben, wie alt wir sind, wie unser Outing war usw. Kurz: Wer
wir überhaupt sind. Einen ersten Eindruck wollen wir euch an
dieser Stelle vermitteln. Wenn ihr Fragen oder Kommentare habt,
dann schreibt uns einfach:
info@uferlos-online.de
weiblich,
Jahrgang 1969
Aufgewachsen in
einer scheinbar rein heterosexuellen Kleinstadt hat mich trotzdem
schon in meiner Jugend das Thema gleichgeschlechtliche Liebe fasziniert.
Da ich als Jugendliche eine große Theoretikerin war, blieb es
lange Zeit bei der Theorie. Woher aber überhaupt die Motivation
kam oder was konkrete Auslöser für mein Interesse waren,
kann ich im Rückblick nicht ausmachen. Vielleicht einfach die
simple Tatsache, dass ich bisexuell bin und es auch schon war, bevor
es mir bewusst wurde?
Dass ich selbst bisexuell und nicht heterosexuell bin, wurde mir mit
Anfang zwanzig bewusst. Meine erste sexuelle Erfahrung mit einer Frau
hatte ich ein paar Jahre später. Eine Beziehung mit einer Frau
zu leben, konnte ich mir damals aber nicht vorstellen. Beziehungen
hatte ich ausschließlich mit Männern. Diese Tatsache und
auch meine Einstellung dazu änderten sich erst, als ich mich
mit Mitte/Ende zwanzig zum ersten Mal in eine Frau wirklich und heftig
verliebte.
Mein Umfeld (sowohl in Köln als auch die Freunde aus der alten
Heimat), das mich bis dahin immer als heterosexuell wahrgenommen hatte,
ging mit der Tatsache, dass an meiner Seite plötzlich eine Frau
und kein Mann war, sehr gelassen um. Allerdings wurden auch keine
Fragen gestellt, als ich nach dieser Beziehung wieder mit Männern
zusammen war, lange Jahre ausschließlich wieder mit Männern.
Warum ausschließlich Männer? Hauptsächlich wohl deshalb,
weil ich mich in heterosexuellen Kreisen aufhielt und es eben Männer
und keine Frauen waren, die mir Avancen machten. Bis heute ist es
übrigens so geblieben, dass meine sexuellen Kontakte zu Frauen
(egal ob One-Night-Stand, Affaire, Liebschaft oder Beziehung) immer
auf meine Initiative hin zustande kamen. Bei Männern war ich
fast nie die, die die Initiative ergriff; da habe ich eher reagiert.
Tatsächlich aber sehnte ich mich in diesen mehr als zehn Jahren
mit Beziehungen zu Männern auch immer wieder nach einer Frau.
Meinen männlichen Beziehungspartnern habe ich das stets verschwiegen
- um Fragen zu vermeiden, von denen ich glaubte, dass sie mir hätten
unangenehm werden können. Je mehr Zeit verging, umso stärker
habe ich die Tatsache, dass ich bisexuell bin, verdrängt. Aber
ganz verdrängen lies es sich natürlich nicht und als wieder
einmal eine Beziehung geendet war und ich mich nach der Trennung sehr
stark auf mich selbst konzentrierte, kam alles Verdrängte wieder
zum Vorschein.
Das war dann auch der Zeitpunkt, als ich zum ersten Mal zu einem uferlos-Treffen
gegangen bin. Nicht, weil ich Rat gesucht hätte, sondern um andere
Bisexuelle kennenzulernen und um Frauen zu treffen, mit denen ich
gemeinsam auf Frauenpartys gehen könnte. Heute ist das Thema
Bisexualität für mich wirklich ein alltägliches Thema.
Ich bin nicht bei allen und jedem geoutet und sicherlich halten mich
heute, da ich in einer Beziehung mit einer Frau lebe, viele für
lesbisch. Aber auch, wenn ich nie Interesse daran hatte, mit Männern
und Frauen zur gleichen Zeit zusammen zu sein, bin ich doch nach wie
vor bisexuell, ich bin nicht früher hetero gewesen und heute
lesbisch, ich bin bi.
Bisexualität und eine monogame Beziehung müssen kein Widerspruch
sein. Dass meine Freundin lesbisch ist, bedeutet nicht, dass ich es
auch bin. Das ich meine Bisexualität thematisiere und nicht verschweige,
führt bei mir aber dazu, dass ich gar kein Bedürfnis habe,
meine Sexualität mit beiden Geschlechtern auszuleben. In der
Zeit, in der ich meine Bisexualtiät verschwieg, war das anders.
Ich bin glücklich, dass ich heute zu meiner sexuellen Orientierung
stehen kann und dass die meisten Menschen in meinem Umfeld damit kein
Problem haben (auch wenn sie es nicht alle verstehen können).
Und ich bin glücklich, dass ich meine Bisexualität in meiner
Beziehung nicht verschweige.
Denn das ist der Punkt, den ich wirklich bedaure und auch bereue:
Dass ich früher meine männlichen Beziehungspartner in dem
Glauben gelassen habe, ich sei heterosexuell. Einen Teil von sich
zu verleugnen heißt auch, sich unfrei zu machen. Die Annahme,
das Verschweigen der Bisexualität sei der für mich einfachere
Weg, war sehr kurzfristig gedacht. Heute weiß ich es besser,
zum Glück!
Renate
& Peter
Radio Reportage
WDR 5 Teil 1,
Teil 2, Teil
3, Teil 4,
Teil 5, Teil
6, Teil 7
Viellen Dank an Christian für das Aufnehmen und
Umwandeln der Datei!!!
Peter K.
Gewußt habe
ich es eigentlich ab meinem 12. Lebensjahr. Die schreckliche Pubertät
begann und die kreisenden Hormone bewirkten plötzlich ein starkes
Interesse für andere, vornehmlich gleichaltrige Jungs. Etwas
belesen auf diesem Gebiet tat ich das als " homosexuelle Phase
" ab, die wohl alle 12-/ 13- Jährige betraf, und dachte,
das gibt sich.

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Nachdenklicher wurde ich, als die vermeintliche Phase mit 18
und älter immer noch nicht vorbei war, obwohl sich mein
Interesse und Bemühen auf Mädels richtete. Klar kannte
ich auch schon mit 13/ 14 den Begriff " Bisexualität
", der damals vor allem im Zusammenhang mit Pop- und Rockstars
a la´ David Bowie, Marc Bolan, Lou Reed und Mick Jagger
Furore machte. Aber ihn auf mich selbst anzuwenden, mir einzugestehen,
daß ich selbst davon betroffen war, dazu bedurfte es einiger
Jahre. Erst in den 90-igern kam ich in Gesprächen mit einem
Freund dazu, demjenigen, mit dem ich " es " schon
seit Mitte der 80-ziger heimlich tat, was mir in der ersten
Zeit heftige Gewissenskonflikte brachte. Ich konnte lange nicht
von meinem heterosexuellen Selbstbild lassen, das durch mehrere
langjährige Beziehungen ( inklusive einer Heirat ) mit
Frauen so schön untermauert wurde.
Erst die Trennung von meiner ( Ex- ) Frau vor fünf Jahren,
der damit verbundene Fall ins Bodenlose und Zusammenbruch meiner
scheinbar so heilen Welt machten mich nach und nach bereit für
den Schritt in die Offenheit. |
Zunächst kam die Flucht in die scheinbar einfachere schwule
Welt, die sich zunehmend als bunt und faszinierend erwies. All
die damals schönen Orte der Kölner Szene habe ich
nach und nach erkundet und bin in Ihnen, heimlich natürlich
zunächst noch, abgetaucht. Toll fand ich die Parties, das
Schulz, die Saunen und Kneipen sowie ab 2000 auch die schwule
Internet- Welt.
Aber wie es weitergehen sollte, das hätte ich zu diesem
Zeitpunkt nicht sagen können. Daß es in Köln
eine Bi- Gruppe gibt, las ich so Mitte 1998 zum ersten Mal (
ich glaube es war in der Stadtrevue ).
Kurz
darauf tauchte ich zum ersten Mal auf einer Uferlos- Party auf,
war von dieser aber weder hinsichtlich des Ablaufs noch des
Publikums oder Andrangs beeindruckt.
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Dies führte
dazu, daß ich die Bi' s erst mal wieder aus den Augen ließ.
Im Januar 2000 wurde ich so heftig krank, wie ich es in meinem Leben
vorher noch nicht gewesen bin. Ich fing an mir Gedanken zu machen,
warum ich gesundheitlich eigentlich so anfällig geworden war
und das es notwendig sei, gegen zu steuern. Aber eine richtige Idee
hierzu hatte ich eigentlich nicht.
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"Aber
wie es weitergehen sollte, das hätte ich zu diesem Zeitpunkt
nicht sagen können". |
Vom offenen
Gesprächskreis der Bi- Gruppe wußte ich auch schon länger.
Dort hinzugehen hatte ich mir immer wieder vorgenommen, aber erst
im April 2000 ist es dazu gekommen. Es sollte ein Versuchsballon
sein. Einmal zu hören, wie andere mit ihrer Bisexualität
umgingen und vielleicht ein paar Tipps für mich heraus zu ziehen,
war mein Ziel. Klar war ich im Gespräch wesentlich mehr hetero
als schwul ( so 70 zu 30 ) und offen leben wollte ich schon gar
nicht.
Aber ich saß schnell in der " Falle ". Ich sah,
daß viele Leute Ihre Bisexualität ganz und gar nicht
( mehr ) versteckten, offen damit umgingen und lebten. Ein Denkprozeß
kam in Gang, und es fing langsam in mir an zu brodeln. Ich begann
mich gedanklich dem bis dahin Undenkbaren zu nähern und machte
Planspiele- wie es denn sei, wenn ich mich auch oute, wie meine
Freunde und Familie reagieren würden, wie mein weiteres Leben
verlaufen könnte.
| "Einmal
zu hören, wie andere mit ihrer Bisexualität umgingen
und vielleicht ein paar Tipps für mich heraus zu ziehen,
war mein Ziel." |
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Die Entscheidung
fiel ( es mag kitschig klingen ) am Abend der CSD- Parade des Jahres.
Ich ging erschöpft, aber glücklich nach Hause, entkam
dem Gewitter, welches am Abend das Straßenfest ertränkte,
und wußte, was ich zu tun hatte. Dieser Tag, den ich zu den
wichtigsten meines Lebens zähle, hatte mir einen Kick gegeben,
wie ich ihn in dieser Intensität vielleicht mein ganzes bisheriges
Leben nicht gespürt hatte. Auf diesem Wagen glaubte ich zu
verschmelzen mit all den Menschen, die an diesem Tag zu dem standen,
was sie sind, und wollte nur noch genau so sein.
Klingt sehr
pathetisch, nicht wahr? Ist es auch, aber ich stehe dazu. Was kam,
ist ein kleines, aber sehr wichtiges Stück meiner persönlichen
Geschichte. Nach und nach outete ich mich im gesamtem Freundeskreis
und in der Familie.
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Auch
die Nachbarn und meinen Vermieter nahm ich nicht aus, schon
um den Rücken frei zu bekommen. Die Qualität meiner
Freunde zeigte sich dabei unmittelbar; nicht einer schnitt mich
oder kündigte die Freundschaft auf. Auch die Nachbarn haben
keine Probleme damit. Die einzige, die sich etwas schwer damit
tut, ist meine Mutter, vielleicht auch weil aus der Traum von
Enkeln, deren Vater ich bin. Am Arbeitsplatz wissen einige Leute
Bescheid, ansonsten hänge ich die Angelegenheit nicht an
die Glocke, auch weil Dienst Dienst ist und Schnaps eben Schnaps.
Natürlich
geht das Alltagsleben weiter, und die Zeiten werden im Moment
bekanntlich nicht gerade besser.
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Aber ich denke,
das man Druck von außen viel besser aushält, wenn man mit
sich selbst im Reinen ist, d. h. keinen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit
versteckt. Ich habe mir vor drei Jahren eine große Tür
geöffnet, von der ich nicht ahnte, daß es sie geben könnte.
Seitdem lebe ich freier und selbstbestimmter. Ich wünsche allen
anderen auch den Mut hierzu.
Claudia
Ich
bin bisexuell und übrigens heiße ich Claudia. Alter Schwulenwitz.
Aber ernsthaft. Es ist jeden Tag ein schönes Gefühl, aufzustehen
und sich selbst in eine Schublade packen zu können, denn ich
glaube, wir alle wollen doch irgendwo dazugehören.
Claudia
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Eigentlich
- so haben wir in unserem Flyer geschrieben - ist Sexualität
nur ein Teil unserer Persönlichkeit. Aber derzeit bestimmt
es einen großen Teil meines Lebens. Warum, das erzähl
ich euch jetzt mal.
Wie ich es herausfand
Als ich
Anfang 2002 zum ersten Mal vor der Garderobe der Uferlos-Party
im SchuLZ stand, hatte ich schon den langen Weg der Selbstfindung
(das Wort musste ich einfach unterbringen) hinter mir: Bis
dahin konstatierte ich: Ich hatte nie Interesse an Puppen,
spielte lieber mit den Jungs Fußball und ging eine Weile
auch eher als Junge durch. War das maskuline prä-pubertäre
Verhalten ein erstes Zeichen für meine Sexualität?
Später, in der postpubertären Diskozeit, konnte
ich mich auch nicht wie meine Freundinnen für die umherlaufenden
Lokalmatatore und Vorstadtelvise begeistern. |
Statt
dessen fragte ich mich:
Bin
ich a) frigide? Oder b) lesbisch? Oder gar beides? Aber
warum hab ich mich immer in meine Leinwandhelden wie Rock
Hudson, Cary Grant und James Dean verliebt? Äußerte
sich meine Sexualität in meiner Vorliebe für homo-
bzw. bisexuelle Männer? Ich entschloss mich erst einmal
für Plan B. Denn da waren es auch Katherine Hepburn
oder Lauren Bacall... . Aber unter den Lesben fühlte
ich mich wie ein Schaf im Wolfskostüm und stellt fest:
Lesbisch bin ich auch nicht. Nach der Ausschlussmethode
war ich also entweder asexuell oder bisexuell. Von ersterem
war ich nie sonderlich begeistert. Somit hatte ich meine
Schublade gefunden: bisexuell. Aber befriedigend war diese
Erkenntnis noch lange nicht. Es fehlten Gleichgesinnte.
Die Kommunikation untereinander verlief eher konspirativ.
Hey Jungvolk, Internet war da noch nicht en vogue.
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James Dean
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Katherine
Hepburn
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So
etwa verlief das klassische Outing in der damals einzigen Homodisko
zu Hause:
Die Frau
sitzt neben Dir:
Frage: Und, was machst Du hier so?" (der Gabitest)
Antwort: Was glaubst Du denn, was man hier macht?
(das Ich-bin-keine-Gabi-Outing)
Frage:
Bist du lesbisch?" (das Chancenchecken)
Antwort:
Nein, bisexuell" (kritischer Moment)
Flüsternd: Ich (ja) (eigentlich) auch." Volltreffer!
Wie ich zu Uferlos e.V kam
Und weil
ich nicht zu den notorischen Schweigern gehöre (was ich
gelegentlich sogar aufrichtig bedaure), gab es nur den Schritt
nach vorn, raus aus diesem Ich gehöre zur Randgruppe
einer Randgruppe-Verhalten.
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Eine enorme
Hilfe dabei war der Umzug nach Bonn. Irgendwann schaffte ich es,
statt stundenlang im Zug auf dem Weg nach Hause zu sitzen, zur Uferlos-Party
zu gehen. Und dann ging ich von der Garderobe die Treppe hinunter
und im Drehbuch steht jetzt:
Ich
stand auf der Tanzfläche, tauchte ein in die Musik, spürte
die unbeschreiblich familiäre, offene Atmosphäre, das
Akzeptiertsein und fühlte: Jawohl, Du bist angekommen, hier
bist du richtig, du gehörst hier dazu, du bist wirklich bisexuell.
Leute, ich weiß,
das klingt pathetisch und jeden, der mich als verklärte Spätromantikerin
bezeichnet, reiß ich den Arsch auf, dass ein Bus reinfahren
kann. Aber es war so. Ich habe Freunde befunden, die so ticken wie
ich - obwohl wir unterschiedlicher nicht sein können. Denkwürdig
sind das klassische Was-gefällt-Dir-am-Mann-und-was-an-einer-Frau-Gespräch
in Fabian's Küche, das fröhliche Armin-sägt-Bi-Zeichen-aus-Claudia-hält-fest-und-Susann-fönt-die-Sägespäne-weg-Basteln
für den CSD oder natürlich die CSD-Parade selbst.
Es gibt nicht
nur die Sonnenseite
Ja, liebe Leser
(und speziell für Inka:) liebe Leserinnen, das Bi-Leben findet
nicht immer auf Zuckerwattewölkchen statt. Bi-Sein ist nicht
ein Trend wie der peinliche Madonna-Countryhut aus der Music-Ära,
den man einfach wieder absetzen kann. Was macht man, wenn Sexualität
(Katherine Hepburn) und Emotionalität (Cary Grant) auseinanderdriften?
Gibt's dann nur das 68-er Matratzenlager? Oder nur offenen Beziehungen
mit offenen (Bi-)Partnern? Und bin ich nicht zu einseitig, weil
ich mich überwiegend in der Freizeit in der Homo-Szene bewege
und Besuche von heterosexuell geprägten Studentenpartys für
mich wie Ausflüge in den Zoo anmuten? Kann ich kein Leben haben
als Teil einer Familie wie im Neckermann-Katalog?
Der offene
Weg ist, da mach ich euch nichts vor, nicht immer einfach
obwohl ich selbstverständlich alle Vorzüge einer Stadt
wie Köln genießen kann. Mein konsequentes Nicht-Verschweigen
führt oft zur Thematisierung meiner Sexualität. Klar besteht
Aufklärungsbedarf zu den klassischen Klischees wie Wir
sind per se untreu, haben immer Sex zu Dritt usw. Mies ist
aber der Vorwurf: Musst Du das immer so raushängen lassen?".
Nein! Aber wenn alle Männer z.B. in der Runde von ihrer Freundin
reden, dann mach ich da auch mit. Die Reaktionen: Wie Freundin?
Aber Du siehst doch gar nicht so aus. Aber Du warst doch verheiratet...
Und schon bist Du mittendrin. Die Bisexualität klebt dann an
Dir wie Veet Enthaarungswarmwachs am Bein. Und es nerven auch Fragen
wie: Na, was willste heute?
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Deshalb
bin ich dabei
Tja, seit
einer Weile bin ich im Orgateam aktiv, weil ich das Du
bist nicht allein-Gefühl"- auch anderen vermitteln
möchte. Ich will, dass niemand einen Teil seiner Sexualität
verschweigen muss und ebenfalls das Aha-Erlebnis der Zugehörigkeit
(ob mit oder ohne Romantik) erfährt.
Das
Tolle dabei ist: Ich bekomme positive Reaktionen und Menschen
in meinem Umfeld werden sensibilisiert für eine Welt,
die sie bisher noch nie gesehen haben. Und manchmal finden
sie dadurch eine neue, ihre Schublade. Du sag mal, woran
merkt man, dass man bi ist? Also da waren zunächst
Cary Grant und Kathrin Hepburn...
Cary
Grant & Katernine Hepburn
in HOLIDAY (1938)
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Übrigens: Mich treibt nicht nur Missionarseifer oder Altruismus
zum Engagement bei Uferlos, sondern die pure Neugier. Ich will wissen,
was ihr so macht. Lasst uns diskutieren. Das Forum ist eröffnet
(so etwas wollt ich schon immer mal sagen).
Ich bin bisexuell, ich hab es mir nicht ausgesucht, aber es ist gut
so.
Fabian
Obwohl
ich aus den konservativen Südstaaten, dem so genannten
Bibelgürtel (Bible Belt) der USA komme, habe ich bereits
seit meiner High School als Bisexueller gelebt, ohne jedoch
eine feste Beziehung anzustreben. Erst als ich zum Studium nach
Frankreich ging, habe ich zu ersten Mal mit einem Mann zusammengelebt.
Ich habe meinem Fruend gleich am Anfang der Beziehung gesagt,
dass ich bisexuell bin. Er hatte Verständnis dafür
und gab mir sogar die "Erlaubnis" Frauen zu daten.
Ich habe dieses Angebot geschätzt und fand es gut zu wissen,
dass ich es könnte, wenn ich will. |
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Aber damals tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich das nicht
wollte. Ich
war schließlich treu und monogam (Glaub mir, es gibt einen Unterschied
zwischen diesen beiden Begriffen).
Ich habe später einen Begriff für mein Verhalten entdeckt:
Serielle Monogamie. Meine Beziehungen, die durchschnittlich drei Jahren
hielten, waren mal mit einem Mann, mal mit einer Frau. Aber immer
nach und nach nicht gleichzeitig. Bis zu meinem 30. Lebensjahr waren
meiner Partner und Partnerin immer hetero oder schwul. Dann habe ich
Julia bei der Bigruppe Gelsenkirchen kennengelernt. Sie war viel jünger
als ich, und ich habe gar nicht mitgekriegt, dass sie auf mich stand.
Alle in der Gruppe wussten es - nur ich nicht. Bis Jürgen, ein
gemeinsamer Freund, mich aufgeklärt hat. Kurz danach hat Julia
mich eingeladen, mit ein paar Freunden zusammen Silvester zu feiern.
Mitternacht hatten wir unser eigenes Feuerwerk auf der Couch. Wir
waren danach unzertrennlich. Obwohl sie ein eigene Wohnung hatte,
hat sie mehr Zeit bei mir verbracht als in ihrer. Zum ersten mal hatet
ich eine Partnerin, der ich nicht erklären musste, was es heisst
bi zu sein. Sie hatte genau die gleichen Bedürfnisse wie ich.
Ich hatte schon in den drei Jahren zuvor Beziehungen mit Heterofrauen.
Aber ich merkte, dass mein Interesse an Männern wohl deshalb
stärker war, weil ich es mit Männern nicht durfte. Sie hatten
meine Bisexualiät so lange akzeptiert, wie ich sie nicht ausgelebt
habe. Bei Julia war das anders. Zum ersten Mal hatte ich Sex außerhalb
einer "Kernbeziehung". Dieser beschränkte sich aber
auf One-Night-Stands meinerseits. Bei Julia, die nicht nur bisexuell
sondern auch sado-maso veranlagt war, war das anders. Sie hatte einen
Meister, der sie regalmäßig besucht hat.
Wir gingen mit allen Dingen offen rum. Infos über unsere Eskapaden
haben wir mit einander geteilt, wir haben praktisch Notizen darüber
ausgetauscht, wie es mit ihm/ihr war. Es wurde viel gelacht. Ich war
auch neugierig, was da bei ihrem Meister stattfand. Julia hat daraus
kein Geheimnisse gemacht. Wir sind einander sehr nah gekommen. Wir
führten eine lange und sehr harmonische Beziehung. Die Beziehung
endete, weil Julia keine Grenzen mehr gefunden hat bei ihrer Maso-neigung.
Sie kam nach Hause mit Blutergüssen von den Hüften bis zum
Fuß. Ich habe dann ein Ultimatum gestellt. Wenn sie keine Grenzen
mehr finden konnte, dann mussten wir uns trennen - und so kam es auch.
Das letzte, was ich von ihr gehört habe, ist, dass sie mit ihrem
Meister nach Berlin gezogen ist und öfters im Kit-Kat Club zu
sehen war.
Ich habe danach erst einmal eine Beziehungspause eingelegt. Später,
als ich nach Köln umgezogen war, begann ich wieder zu daten.
Ich wollte aber nichts festes. Zurzeit bin ich wieder zu einer festen
Beziehung bereit. Wie das aussehen soll, ist nicht ganz Klar. Ich
kann mir vorstellen, ein "drittes Rad" zu sein. Das heißt,
ein Liebhaber eines festen Paares. Oder auch noch mal was mit ein
Bi-Frau. Aber Monogamie kommt momentan (sag niemals "Nie")
nicht mehr in Frage für mich. Eine Kernbeziehung würde ich
aber gern führen. Durch die Bi-Gruppen habe ich verschiedenste
lebensmodelle kennengelernt. Ich habe Menschen kennengelernt, die
Single, verheiratet (auch mit Kindern!) sind oder klassische Dreiecksbeziehungen
ausleben. Ich würde auch gerne Kinder haben, jetzt brauch ich
nur noch die richtige zu finden -und ich weiß, dass das möglich
ist!
Why do I call
myself a bisexual?
For lack of a better
word, I use bisexual. Although I have come to learn that this word
means many different things to many different people. Before attending
my first International Bi-Symposium in Berlin in 1996, I was naïve
to believe that there I would encounter people like myself. It was
here that I made first hand contact with bisexuals from all over the
world. I was shocked to realize the diversity that appeared under
this banner. There were: free spirited esoterics who seemed not to
be able to have sex without making it into some kind of spiritual
experience; the fetish orientated leather and S&M groups (some
of them looked really scary); the usual loud exhibitionists and excentric
types who would do or wear anything to get attention as well as many
quite academical book-worm types not to forget about the hippies (yes
they still exist, trust me) with their 1960s idealogy of make love
(with everyone) not war. There were the Kinsey 1's and there were
the Kinsey 5's.
Later, I met people that I would classify as bisexuels but who did
not classify themselves as such and vice-versa. Though I was asked
to be politically correct and accept there "self-definitions"
no one wanted to give me the right to define and order the world the
way I saw and understood it.
I realized that there were many facettes to bisexuality and in fact
I see myself as a conglomerate of all of the above at certain times.
I can be camp, I can be professional and cool, I can be nasty (always
wanted to try hot wax) and I can be gentle, but to say that I am only
one of these things would be wrong. I am bisexuel because bisexuality
is multifacited. Bisexuality is complex, I am complex, I am Bisexual.
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